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Nachtschattengewächse bei Gelenkschmerzen – essen oder nicht?

Die Empfehlung der Ernährungswissenschaftlerin

Bei Arthrose, Arthritis oder rheumatoider Arthritis sollte man auf Nachtschattengewächse besser verzichten, haben Sie irgendwo munkeln gehört oder in einem Forum gelesen? Aber Gemüse wie Kartoffeln, Tomaten, Auberginen oder Paprika sollen doch eigentlich besonders gesund sein – und werden auch für die entzündungshemmende Ernährung bei rheumatischen Erkrankungen empfohlen. Was stimmt denn nun?

Nachtschattengewächse

Nachtschattengewächse wie Kartoffeln, Tomaten, Paprika und Auberginen liefern auch bei Gelenkschmerzen wertvolle Inhaltsstoffe.

Zu der Familie der Nachtschattengewächse – in der Botanik Solanaceae genannt – gehören über 2.500 Pflanzenarten. Bekannte Vertreter sind populäre Nutzpflanzen wie z.B. die Kartoffel, Tomate, Paprika, Auberginen und Chili. Allen gemein ist, dass sie bestimmte Stoffe enthalten, die unter dem Begriff der Alkaloide zusammengefasst werden. Die Pflanzen bilden diese Stoffe zur Abwehr von Schädlingen und Krankheitserregern. Das bekannteste Alkaloid ist das Solanin, das besonders in der Kartoffel und der Aubergine vorkommt. Daneben gibt es aber noch weitere Alkaloidverbindungen, wie z.B. das Atropin aus der Tollkirsche, dessen Verbindung als Arzneimittel eingesetzt wird.

Die Alkaloide der Nachtschattengewächse stehen bisweilen in dem Ruf, Entzündungsvorgänge auszulösen und Gelenkbeschwerden wie bei Arthrose und Arthritis zu verschlimmern. Bewiesen ist aber nur: Alkaloide sind ab einer bestimmten Aufnahmemenge für den Menschen schädlich. Dies gilt aber in gleichem Maße für Menschen ohne Gelenkschmerzen. Die Folgen reichen dosisabhängig von leichten Beschwerden im Magen- und Darmbereich bis hin zu Beeinträchtigungen des zentralen Nervensystems.

Diese schädlichen Aufnahmemengen werden beim normalen Verzehr von Tomaten, Kartoffeln, Paprika und Co. aber nicht erreicht!

Eine Aufnahme von 2-5 mg Solanin pro Kilogramm Körpergewicht kann akute Vergiftungserscheinungen auslösen. Zum Vergleich: Ein 70 kg schwerer Mensch würde erst über den Verzehr von fast 2 Kilo Kartoffeln mit Schale (mit einem durchschnittlichen Solaningehalt von 75 mg/kg) den toxischen Grenzwert von 2 mg Solanin pro Kilogramm Körpergewicht überschreiten.

Weiter unten finden Sie dennoch ein paar nützliche Tipps, wie sich die Aufnahme von Solanin reduzieren lässt, wenn Sie gern und viel Kartoffeln essen.

Bei Arthrose oder Rheuma auf Tomaten und Auberginen verzichten – was sagt die Wissenschaft dazu?

Es gibt zum jetzigen Zeitpunkt keine humanmedizinischen Studien, die nahelegen würden, bei Arthritis, Arthrose oder rheumatoider Arthritis auf Nachtschattengewächse zu verzichten. Neuere Untersuchungen mit Zellkulturen und Nagern haben sogar eine entzündungshemmende Wirkung bestimmter Alkaloide aus Nachtschattengewächsen nachweisen können (Kenny OM et al. 2013, Lee KG et al. 2015, Pandurangan A et al. 2011). In einer weiteren Studie gaben 82 Prozent der befragten Personen, die eine Nahrungsergänzung mit dem Nachtschattengewächs-Alkaloid Anatabin einnahmen, an, dass ihre Gelenkschmerzen sich verbessert hätten (Lanier RK et al. 2013).

Kein Grund zur Sorge: Nachtschattengewächse wie Kartoffeln, Tomaten, Paprika und Auberginen liefern auch bei Gelenkschmerzen wertvolle Inhaltsstoffe und tun gut.

Fakt ist also, dass die derzeitige Studienlage keine Anhaltspunkte dafür liefert, dass Ihnen der Verzicht auf Nachtschattengewächse bei Gelenkerkrankungen helfen würde. Gesichert ist dagegen, dass die bei uns beliebten Nutzpflanzen viele positive Inhaltsstoffe haben, die der Gelenkgesundheit, aber auch der allgemeinen Gesunderhaltung nutzen. Von einem pauschalen Verzicht auf Kartoffeln, Paprika, Auberginen und Tomaten ist also abzuraten. Sie sind nämlich im Gegenteil wahre Nährstoffbomben mit Gelenkschutz:

  • Kartoffeln: Sie liefern neben Ballaststoffen auch hochwertiges Eiweiß. Außerdem sind sie reich an Kalium, mit positiven Auswirkungen auf Ihren Blutdruck. Bereiten Sie Kartoffeln vorzugsweise fettarm als Pell- oder Salzkartoffeln zu.
  • Tomaten: Die roten Kraftpakete versorgen Sie mit viel Vitamin C und dem Carotinoid Lycopin und unterstützen damit entzündungshemmende Vorgänge
  • Paprika: Sie ist besonders reich an Vitamin C, das antioxidativ wirkt.
  • Auberginen: Die dunkle Färbung der schwarz-violetten Sorten zeigt, dass hier große Mengen der sogenannten Anthocyane enthalten sind. Anthocyane können eine antioxidative und antiinflammatorische Wirkung entfalten und können daher bei entzündlichen Gelenkerkrankungen eine Unterstützung sein.
  • Chili: Der darin enthaltene Scharfmacher Capsaicin hat positive Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System. Chili kann klein gehackt aus frischen Schoten oder auch gerieben oder gemahlen in getrockneter Form eingesetzt werden (dann auch als Cayennepfeffer bezeichnet). Tasten Sie sich langsam an die für Sie passende Menge ran; Chilis unterscheiden sich je nach Sorte stark in ihrer Schärfe.

Wie lässt sich die Aufnahme von Solanin aus Kartoffeln noch reduzieren?

Gekeimte Kartoffeln enthalten zu viel Solanin

Ob bei Arthrose, Rheuma oder ohne Gelenkprobleme: Finger weg von gekeimten Kartoffeln! Sie enthalten große Mengen Solanin.

Um eine erhöhte Aufnahme des bekanntesten Alkaloids, des Solanins, sicher auszuschließen, können Sie ein paar Dinge beachten:

  • Kartoffeln sollten Sie kühl, dunkel und trocken lagern.
  • Der wesentliche Solaninanteil in der Kartoffel befindet sich unter der Schale: Durch Schälen der Knollen können Sie den Alkaloidgehalt deutlich reduzieren. Dennoch können Erwachsene auch mal Kartoffeln mit Schale genießen. Vorsicht ist jedoch bei grünen, beschädigten und gekeimten Kartoffeln geboten. Solche Kartoffeln sollten lieber nicht verzehrt werden, weder geschält noch ungeschält. Sollte die Kartoffel nur einzelne grüne Stellen aufweisen, reicht es aber aus, diese großzügig abzuschneiden.
  • Da Solanin wasserlöslich ist, geht es beim Kochen in das Kochwasser über. Schütten Sie das Kochwasser daher nach dem Garen weg und verwenden Sie es nicht weiter.
  • Ob bei Arthritis oder Arthrose oder ganz ohne Gelenkprobleme: Finger weg von gekeimten Kartoffeln! Sie enthalten große Mengen Solanin und sollten vorsichtshalber nicht verzehrt werden.

Sollten Sie sich mit dem Verzehr von Nachtschattengewächsen dennoch unwohl fühlen, dann achten Sie darauf, die vom Speiseplan gestrichenen Lebensmittel durch ausreichend alternatives Gemüse zu ersetzen, um sich trotz allem in ausreichender Menge mit allen wichtigen Nährstoffen zu versorgen.


Ernährungsberaterin Dr. Verena GeurdenDr. Verena Geurden

Unsere Gastbloggerin Verena Geurden ist promovierte Ernährungswissenschaftlerin, zudem DGE-zertifizierte Ernährungsberaterin und Kursleiterin für das Gewichtsreduktionsprogramm „ICH nehme ab“ der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Außerdem arbeitet sie als freie Fachjournalistin. So kommt es auch, dass sie nun bei uns regelmäßig Tipps für eine entzündungshemmende Ernährung gibt, die bei Gelenkpatienten mit aktivierter Arthrose bzw. Arthritis oder Rheuma Schmerzen lindern und die Beweglichkeit verbessern kann.
Persönlich erreichen Sie Dr. oec. troph. Verena Geurden in ihrer Praxis für Ernährungsberatung und -therapie in Leverkusen: www.ernaehrung-geurden.de
Oder aber Sie treffen sie beim Yoga oder bei Spaziergängen mit ihrem Hund, die unternimmt sie nämlich, wenn sie nicht gerade Ernährungspläne entwickelt, beim Abnehmen motiviert, sich weiterbildet oder Blogartikel schreibt.

Bild 1: istockphoto/ilbusca

Bild 2: Adobe Stock/mimpki