Medikamente gegen Gelenkentzündung

Medikamente gegen Gelenkentzündung

Sie erhalten hier eine Übersicht über die verschiedenen Medikamente bzw. Arzneimittel, die für die Behandlung von Gelenkentzündungen zur Verfügung stehen. Die Auswahl des Medikaments richtet sich dabei nach der Ursache der Entzündung: Ist es ein verschlissener Knorpel wie bei der Arthrose, oder greift das fehlgesteuerte eigene Immunsystem die Gelenke an wie bei der Rheumatoiden Arthritis? Bei bakteriell verursachten Gelenkentzündungen sind wiederum andere Präparate angezeigt.

In vielen Fällen bieten sich auch natürliche Präparate für die Therapie der Entzündung an – oder aber ihre Kombination mit dem Arzneimittel der Wahl. Dadurch können die synthetischen Mittel oft niedriger dosiert und Nebenwirkungen vermieden werden.

Grundsätzlich gilt: Die Therapie sollte unter ärztlicher Aufsicht erfolgen, manche Medikamente bekommen Sie ohne Verschreibung auch gar nicht. Doch es schadet nicht, sich als mündige Patientin, als mündiger Patient auch selbst zu informieren und auf das Arztgespräch vorzubereiten …

Die nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR)

Manche nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) wirken gegen Schmerz bei Gelenkentzündungen.

Die nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) sind oft nicht verschreibungspflichtig, haben aber eine Reihe von Nebenwirkungen.

Oft wird in der akuten schmerz- und entzündungshemmenden Behandlung von Gelenken im ersten Schritt zu einem Medikament aus der Gruppe der NSAR gegriffen. Schließlich sind die bekannten Produkte aus Acetylsalicylsäure, Diclophenac, Ibuprofen oder Naproxen in ihren geringer dosierten Varianten nicht einmal verschreibungspflichtig. Bei dauerhafter Einnahme gehören allerdings Magengeschwüre und Blutungen zu den häufigen Nebenwirkungen. Celecoxib und Etoricoxib dagegen sind zwei verschreibungspflichtige NSAR, bei denen seltener mit Magenproblemen zu rechnen ist.[1]

Alle NSAR bis auf Acetylsalicylsäure und Naproxen erhöhen Studien zufolge das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen und Herzinfarkte.[2] Menschen mit Vorerkrankungen an Herz oder Kreislauf sollten das unbedingt berücksichtigen. Und alle anderen Kosten und Nutzen insbesondere einer dauerhaften oder hochdosierten Einnahme sorgfältig abwägen.

Paracetamol

Die entzündungshemmende Wirkung von Paracetamol ist eher schwach, das Präparat kommt aber für die akute Behandlung von Patienten infrage, die keine NSAR einnehmen wollen oder dürfen. Allerdings wurde zumindest für Knie- und Hüftarthrose jüngst nachgewiesen, dass Paracetamol keinen Nutzen bringt.[3]

Opioide

Bei starken, chronischen Gelenkschmerzen können Opioide zum Einsatz kommen. Sie müssen streng nach Zeitplan eingenommen werden, um einen gleichförmiges Level an Wirkstoff im Körper zu gewährleisten und eine Abhängigkeit zu verhindern. Ihre Wirksamkeit ist nicht für alle Schmerzpatienten garantiert, hinzu kommen Nebenwirkungen, die sich aber im Verlauf der Behandlung abschwächen. Um ein opioidhaltiges Arzneimittel in der Apotheke zu bekommen, braucht es ein spezielles Betäubungsmittelrezept vom Arzt, denn es Opiate machen nicht nur psychisch, sondern auch körperlich abhängig.

Kortison (Glukokortikoide)

Die Therapie mit Glukokortikoiden – landläufig Kortisontherapie genannt – unterdrückt die Immunreaktionen des Körpers und mit ihr auch die Entzündung der Gelenke. Oral in Tablettenform werden Glukokortikoide daher von Rheumatikern z.B. während eines Schubs eingenommen oder aber um die Wartezeit zu überbrücken, bis die Basistherapie anschlägt. Die Wirkung ist weitaus stärker als die der NSAR und tritt schnell ein. Für die langfristige Einnahme eignet sich eine Kortisontherapie in höherer Dosierung allerdings auch nicht, zu stark sind die Nebenwirkungen, zu denen ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche, ein Aufdunsen oder Abgeschlagenheit gehören können sowie ein erhöhtes Risiko für Diabetes.

Bei akuten Gelenkentzündungen kommt Kortison auch als Spritze zum Einsatz. Das vermeidet oder reduziert die oben benannten Nebenwirkungen auf den Organismus, während allerdings grundsätzlich bei der Punktion die Gefahr einer Infektion besteht. Eine neuere Studie zeigt außerdem, dass die wiederholte Injektion von Kortison den Knorpelabbau beschleunigt.[4] Zudem trugen die Patienten mit einer Kniearthrose in dieser Studie keinen größeren Nutzen davon als diejenigen einer Vergleichsgruppe, denen lediglich eine Kochsalzlösung injiziert wurde.

Hyaluronsäure

Spritzen ins Gelenk werden gern angeboten.

Spritzen mit Hyaluron oder Kortison sollen gegen Gelenkschmerzen wirken – der Erfolg ist fraglich.

Das Einspritzen von Hyaluronsäure direkt ins Gelenk ist eine vielfach angebotene IGeL-Leistung – eine Behandlung also, die von gesetzlich versicherten Patienten selbst getragen werden muss. Hintergrund ist unter anderem, dass der Nutzen aufgrund der unklaren Studienlage unterschiedlich beurteilt wird. Die Hoffnung, die die Befürworter mit Hyaluronspritzen verbinden, ist jene, dass das Hyaluron als natürlicher Bestandteil der Gelenkschmiere und des Knorpels dort schützend wirksam ist. Immerhin sind die Risiken der Behandlung vergleichsweise klein, in seltenen Fällen kommt es zu Infektionen, allergischen Reaktionen oder aber einer falsch gesetzten Punktion.

Basistherapeutika bei autoimmunbedingten Gelenkentzündungen

Ist die Gelenkentzündung nicht abnutzungsbedingt durch eine Arthrose verursacht, sondern hat ihren Ursprung in einer Autoimmunerkrankung wie der Rheumatoiden Arthritis, dann wird zur langfristigen Behandlung meist ein Basismedikament bzw. mehrere in Kombination verordnet. Basistherapeutika sollen die Krankheitsaktivität mindern und Schäden an den Gelenken eindämmen. Klinisch wird auch von „Disease Modifying Anti Rheumativ Drugs“ (krankheitsmodifizierende antirheumatische Medikamente, DMARD) gesprochen. Im Unterschied zu den auch bei einer rheumatoiden Arthritis anfänglich gegebenen Kortisonpräparaten tritt die Wirkung der Basismedikation langsamer, erst nach einigen Wochen ein, dient aber dafür nicht nur der Symptombekämpfung, sondern kann im besten Fall auch eine Remission, also einen Stillstand der Erkrankung, erzielen. Dafür stehen die Chancen besser, je früher die Krankheit erkannt und rheumatologisch behandelt wird. In den meisten Fällen beginnt die Behandlung mit Methotrexat, das im Vergleich relativ gut verträglich und nicht so teuer wie ein Medikament aus der Gruppe der Biologika ist. Je nach Ergebnis wird die Behandlung dann ergänzt oder ersetzt durch andere Mittel wie eben Biologika bzw. Biosimilars und – bisher noch in den Kinderschuhen – JAK-Inhibitoren.

Methotrexat – MTX

Ein übliches Basismedikament ist Methotrexat. In hoher Dosierung gegen Krebserkrankungen eingesetzt, dient es in niedriger (low-dose-MTX) der Unterdrückung des überschießenden Immunsystems bei rheumatischen Erkrankungen. Es hemmt die Bildung von Folsäure im Körper und stört damit – nach etwa zwei Monaten der Einnahme – die Entzündungsreaktion in den Gelenken. Blutwerte und Organfunktionen müssen unter Methothrexat regelmäßig kontrolliert werden, um bei etwaigen Nebenwirkungen gegensteuern zu können.

Biologika

Biologika werden gentechnisch hergestellt, wirken schneller als die synthetisch produzierten Basismedikationen und besonders bei schwerem Verlauf der rheumatoiden Arthritis auch besser. Zudem kommen sie infrage für Patienten, die Methotrexat und andere klassische Medikamente nicht vertragen. Biologika erzielen ihre Wirkung, indem sie gegen verschiedene Entzündungsbotenstoffe vorgehen. Da für sie noch keine Langzeitstudien vorliegen, werden sie bisher nur eingesetzt, wenn die bewährten Medikamente nicht wirken oder nicht vertragen werden. Auch ihre hohen Kosten spielen dabei wohl eine Rolle. Seit wenigen Jahren sind jetzt auch die sogenannten Biosimilars auf dem Markt, die den Biologika nachempfunden sind, aber anders und billiger hergestellt werden.

Hausmittel und Naturheilmittel gegen Gelenkentzündungen

Entzündungen im Körper sind mindestens zu einem Teil auch durch die Ernährung zu beeinflussen. Ein Internist und Ernährungsmediziner an der Universität München konnte nachweisen, dass bis zu einem Drittel der Medikamentendosis eingespart werden kann, wenn man bestimmte Regeln beachtet – und das bei besserer Lebensqualität.[5] Wie eine passende Ernährung für Gelenkpatienten aussieht, erfahren Sie in unserem Blog-Artikel.

Darüber hinaus gibt es zahlreiche natürliche Produkte auf dem Markt, die eine Schmerzlinderung bei Rheuma, Arthrose bzw. Arthritis versprechen. Was wirkt und wo nur Geldmacherei dahintersteckt, ist für den Kunden manchmal schwer zu unterscheiden. Generell sollten Patientinnen und Patienten wissen, dass die Unterschiede sogar zwischen zwei Mitteln mit dem „gleichen“ Wirkstoff immens sein können. Denn bei natürlichen Mitteln aus pflanzlichen oder tierischen Extrakten kommt es immer auf die Herstellung an. Während die erste Firma frische, stabilisierte, hochkonzentrierte Wirkstoffe anbietet, die in ihrer Wirkung mit synthetisch hergestellten Arzneistoffen mithalten können, kann die nächste alte, ungeeignet verarbeitete oder gering konzentrierte Abfallstoffe zu einem Produkt verarbeiten – und letztlich Gleiches oder Ähnliches auf die entsprechende Kapsel, Salbe oder Trinkkur schreiben. Da hilft es, aufmerksam die zu dem Produkt im Web oder auf der Verpackung angebotenen Informationen zu lesen und zu vergleichen. Hersteller, die offen und präzise über Herkunft und Herstellungsprozess ihrer Extrakte aufklären, sind im Zweifelsfall die bessere Wahl. Und im Vergleich auffallend billige Ware spricht für eine schlechte Qualität.

 

"Die lindernde Kraft der Grünlippmuschel liegt in ihrem Öl"

Grünlippmuschelöl kann im Gegensatz zu Grünlippmuschelpulver Gelenkschmerzen lindern.

Unter den Naturheilmitteln tierischen Ursprungs werden bei entzündeten Gelenken oft marine Omega-3-Fettsäuren empfohlen. Durch die Nahrung nimmt der Patient sie beim Verzehr fetter Seefische auf. Ergänzend oder für Menschen, die Fisch nicht so oft mögen, können Omega-3-Fischöl-Kapseln zugeführt werden. Allerdings müssten hier weitaus mehr Kapseln eingenommen werden als in der Dosierungsempfehlung der Hersteller angegeben, um auf Gelenkschmerzen die gleiche Wirkung zu erzielen wie durch Kapseln mit Grünlippmuschelöl (Lyprinol®). Das Öl – nicht das Pulver – der Grünlippmuschel führte in klinischen Studien auch in vergleichsweise niedriger Dosierung zu einer signifikanten Verbesserung von Schmerzen und Beweglichkeit bei arthritischen Gelenken.

Unter den pflanzlichen Wirkstoffen konnte zumindest im Laborversuch den Blättern der Brennnessel ein Einfluss auf die Entzündungsbotenstoffe (Zytokine) innerhalb der Gelenkkapseln nachgewiesen werden. Eine Gabe als Tee oder Tablette wurde hingegen nicht getestet.

Auch ein Teufelskrallenextrakt konnte wissenschaftlich überzeugen – insbesondere bei Gelenkschmerzen im Nacken und am Rücken. Hier ist eine Langzeiteinnahme nötig: Erst nach 12 Wochen sind Ergebnisse zu erwarten. Kontraindiziert sind Gallensteine, und auch die parallele Gabe von Medikamenten sollte mit dem Arzt abgesprochen werden.

Ein Weidenrindenextrakt hat sich immerhin in einer doppelt so hohen Dosierung wie vom Hersteller angegeben als ebenso wirksam wie Aspirin erwiesen, und kommt dabei ohne die Nebenwirkungen aus. Wird aus Gründen der Blutgerinnung jedoch gleichzeitig Aspirin eingenommen, sollte die Zufuhr nicht ohne ein Gespräch mit dem Arzt, der Ärztin erfolgen.[6]

Unter den natürlichen Mitteln eignet sich besonders das Grünlippmuschelöl für die Langzeiteinnahme, während z.B. bei Teufelskralle nach einiger Zeit die Wirkung nachlässt.

Salben, Gels und Cremes gegen Gelenkschmerzen

Arzneimittel zum Auftragen auf die Haut haben gegenüber den innerlich einzunehmenden oft den Vorteil, dass weniger Nebenwirkungen zu erwarten sind. Laut „Öko-Test“ sind Salben, Cremes oder Gels mit den Wirkstoffen Ibuprofen, Diclofenac, Felbinac, Etofenamat, Flufenaminsäure oder Piroxicam grundsätzlich wirksam – auch solche, die auf Cayenne-Pfeffer setzen, können bei rheumatischen Beschwerden helfen. Als nicht empfehlenswert stuft „Öko-Test“ Salben ein, die Nonivamid und Nicoboxil enthalten – die Kombination erhöhe das Risiko von Nebenwirkungen.[7]

Wirksam zeigte sich hingegen in einer Anwendungsbeobachtung ein Arnika-Gel, das Schmerz und Steifheit bei Arthrosepatienten und Rheumatikern linderte. Länger als drei Wochen am Stück sollte es allerdings aufgrund möglicher Nebenwirkungen, zu denen Hautirritationen wie Pusteln und Allergien gehören, nicht angewendet werden.

Übrigens: Leicht selbst zu machen und außerdem kostengünstig sind Auflagen mit Kohlblättern oder Bockshornklee. Laut einer Studie wirken sie genauso gut wie Salben mit Diclofenac!

Abschließend hoffen wir, dass Ihnen diese Informationen dabei helfen, einen Überblick zu gewinnen und vorbereitet in das nächste Arztgespräch zu gehen. Denn Studien zeigen auch, dass die Therapietreue mit besserer Information zunimmt.

Literatur

[1] https://www.gesundheitsinformation.de/medikamente-bei-rheumatoider-arthritis.2222.de.html?part=behandlung-no
http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=68233
http://edition.cnn.com/2017/05/09/health/nsaids-ibuprofen-drugs-heart-attack-study/index.html
[2]https://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=37038
[3] http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/arthrose-paracetamol-hilft-nicht-a-1082978.html
[4] https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/skelett_und_weichteilkrankheiten/arthrose/article/946600/arthrose-schaden-kortisonspritzen-knie-nutzen.html
[5] https://www.researchgate.net/publication/225592377_Ernahrung_bei_rheumatischen_Erkrankungen
[6] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5295114/
[7] http://www.salzburg24.at/schmerzsalben-im-test-ergebnis-tut-weh/4992905